Pressespiegel
Stolberg, 16. Oktober 2011
Bei Projekten wollen Jungpolitiker selbst anpacken
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Stolberg. Der Kontostand der Stadt Stolberg beträgt 227 Millionen Euro. Minus, wohlgemerkt. Eine Zahl mit sechs Nullen. Die Stadt Stolberg ist politisch tief zerstritten, die Ratsmehrheit aus SPD, Grünen und FDP weiß nicht, ob sie in einem Jahr um diese Zeit noch in derselben Konstellation das Sagen hat in der Stadt, die für ihre Kupferproduktion bekannt wurde. Die Stadt Stolberg, so lautet ein altbekanntes (und nicht belegbares) Zitat, rückt überregional hauptsächlich wegen regelmäßiger Aufmärsche rechter Chaoten in den Fokus der Öffentlichkeit.
Es reicht jetzt, finden Tim C. Schmitz, Dina Graetz, Hans Bruckschen und Carsten Kreitz. Sie wollen aufräumen und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Zunächst üben die Vorsitzenden der Stolberger Jungen Union (Bruckschen), Jungen Sozialdemokraten (Schmitz), die Vorstandssprecherin der Grünen Jugend (Graetz), und der stellvertretende Vorsitzende der Jungen Liberalen (Kreitz) den politischen Schulterschluss. Gelb und Grün, Schwarz und Rot, für einen Moment spielt die Parteizugehörigkeit keine Rolle, zumindest wenn es um gemeinnützige Projekte in der eigenen Stadt geht.
Die Jugendlichen suchen einen Weg, Stolberg auf Vordermann zu bringen. Sie finden ihn in parteiübergreifender Arbeit. Raus aus dem Mief, ein bisschen Selbstvertrauen kann nicht schaden. Die Jungpolitiker gehen voran: „Das Gute ist“, sagt Tim C. Schmitz (20), „dass wir unabhängiger von den Mutterparteien sind.“
Im Grunde geht es darum, die politische Jugendarbeit in Stolberg zu koordinieren – über alle Parteigrenzen hinweg. Der Nachwuchs hat sich vor dem Hintergrund der klammen kommunalen Kasse darauf geeinigt, bei gemeinnützigen Projekten gemeinsam anzupacken. „Stolberg muss attraktiver werden“, fordert Hans Bruckschen, 26. „Vor allem gilt das für junge Familien, die hier vielleicht im Zuge des neuen RWTH-Campus hinziehen wollen. Dazu braucht es auch Spielplätze und attraktive Aufenthaltsorte, die wir zwar haben, die aber überholt werden müssen.“
Einschränkungen betreffen jeden
Genau da wollen die Jungpolitiker ansetzen. „Es ist ganz simpel: Manch öffentlicher Platz muss mit neuen Bänken ausgestattet werden, woanders fehlt es vielleicht an einem Gerüst“, sagt Carsten Kreitz. Der 21-Jährige schränkt aber ein: „Selbst dafür hat die Stadt kein Geld. Der Nothaushalt zwingt hier jeden zu Einschränkungen.“
Deshalb sei es nicht leicht, für Stolberg politische Verantwortung zu tragen und Dinge zu verändern. Das Vorhaben gleiche oftmals einem Gang mit Handschellen. Bruckschen, Kreitz, Graetz und Schmitz wagen ihn trotzdem. „Und wenn es letztendlich nur vier, fünf Dinge sind, die wir verändern können. Dafür lohnt es sich“, sagt die 19-Jährige Dina Graetz. Doch natürlich haben die Jungpolitiker auch das Gesamtwohl der Stadt im Blick. „Irgendwann, wenn die ältere Generation von Politikern abgetreten ist, sind schließlich wir oder andere in unserem Alter für den Haushalt mitverantworlich“, sagt Carsten Kreitz.
Stichwort Haushalt: Die Stadt Stolberg hat Anfang des Jahres alle Fördergelder für die politischen Nachwuchsorganisationen gestrichen – die Schulden drücken, es geht einfach nicht, heißt es aus dem Rathaus. „Wenn das Geld weg ist, ist das natürlich auch eine Imagesache“, will sich Kreitz in der Jugendarbeit aber nicht entmutigen lassen. „Stolberg hat so viele Vorteile und ist charmanter als Aachen“, kann sich der Liberale einen kleinen Seitenhieb auf die große Nachbarstadt nicht verkneifen.
„Wir wollen das klarstellen“
Ein Projekt wirft bereits seine Schatten voraus: Die Jugendorganisationen veranstalten am Mittwoch, 11. Januar, zwischen 9 und 15 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum (Frankentalstraße 22) einen Infotag zum Thema „Extremismus“. „Bei Stolberg denkt man immer direkt an Rechtsradkiale“, wehrt sich Carsten Kreitz gegen ein einseitiges Bild. „So kann man das nicht stehenlassen. Wir wollen klarstellen, dass das Klischees sind, die nicht zutreffen.“
Linksextreme würden die jährlichen Aufmärsche der Rechten ihrerseits nutzen, um Krawalle zu provozieren, behaupten die Jungpolitiker unisonso. „Und das, verbunden mit der riesigen Polizeipräsenz, beeinträchtigt die Bürger in unserer Stadt“, so Kreitz weiter. Deshalb sollten gerade Jugendliche über solche Gruppierungen aufgeklärt werden, fordert er. Zur Veranstaltung am 11. Januar haben Kreitz und Co. den Aachener Rechtsextremismus-Experten Michael Klarmann als Referenten eingeladen, zum Thema Linksextremismus wird Ministerialrat Dirk Weinspach vom Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen Stellung beziehen. „Für Jugendliche sind extremistische Gruppen und radikale Parteien schwer einzuordnen“, sagt Hans Bruckschen. „Wir wollen darstellen, wie es wirklich ist.“
Das gelte auch für die Arbeit der vier großen Parteien selbst: „Was Politik im Allgemeinen angeht, haben junge Leute häufig falsche Vorstellungen“, sagt Tim C. Schmitz. „Wir machen nicht einfach, was wir wollen, wir nehmen jede Meinung ernst.“
Einen Anfang wagen
Was die Nachwuchspolitiker vorhaben, ist nicht der naive Versuch, im jugendlichen Wahn Stolberg in zwei, drei Schritten zu sanieren. Es geht vielmehr darum, einen Anfang zu wagen und sich nicht kampflos der eher tristen Stimmung der Stadt hinzugeben.
Abwarten, bis der Haushalt in ein paar Jahren (vielleicht) wieder freiweillige Investitionen zulässt, wollen sie nicht. „Es wird Zeit“, sagt Carsten Kreitz, „dass Stolberg wieder positiv auffällt.“ Wann genau das sein soll, das weiß er nicht. „Aber wir müssen ein Zeichen setzen. In dieser Situation erst recht.“
Quelle: STZ vom 12.10.11
Es reicht jetzt, finden Tim C. Schmitz, Dina Graetz, Hans Bruckschen und Carsten Kreitz. Sie wollen aufräumen und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Zunächst üben die Vorsitzenden der Stolberger Jungen Union (Bruckschen), Jungen Sozialdemokraten (Schmitz), die Vorstandssprecherin der Grünen Jugend (Graetz), und der stellvertretende Vorsitzende der Jungen Liberalen (Kreitz) den politischen Schulterschluss. Gelb und Grün, Schwarz und Rot, für einen Moment spielt die Parteizugehörigkeit keine Rolle, zumindest wenn es um gemeinnützige Projekte in der eigenen Stadt geht.
Die Jugendlichen suchen einen Weg, Stolberg auf Vordermann zu bringen. Sie finden ihn in parteiübergreifender Arbeit. Raus aus dem Mief, ein bisschen Selbstvertrauen kann nicht schaden. Die Jungpolitiker gehen voran: „Das Gute ist“, sagt Tim C. Schmitz (20), „dass wir unabhängiger von den Mutterparteien sind.“
Im Grunde geht es darum, die politische Jugendarbeit in Stolberg zu koordinieren – über alle Parteigrenzen hinweg. Der Nachwuchs hat sich vor dem Hintergrund der klammen kommunalen Kasse darauf geeinigt, bei gemeinnützigen Projekten gemeinsam anzupacken. „Stolberg muss attraktiver werden“, fordert Hans Bruckschen, 26. „Vor allem gilt das für junge Familien, die hier vielleicht im Zuge des neuen RWTH-Campus hinziehen wollen. Dazu braucht es auch Spielplätze und attraktive Aufenthaltsorte, die wir zwar haben, die aber überholt werden müssen.“
Einschränkungen betreffen jeden
Genau da wollen die Jungpolitiker ansetzen. „Es ist ganz simpel: Manch öffentlicher Platz muss mit neuen Bänken ausgestattet werden, woanders fehlt es vielleicht an einem Gerüst“, sagt Carsten Kreitz. Der 21-Jährige schränkt aber ein: „Selbst dafür hat die Stadt kein Geld. Der Nothaushalt zwingt hier jeden zu Einschränkungen.“
Deshalb sei es nicht leicht, für Stolberg politische Verantwortung zu tragen und Dinge zu verändern. Das Vorhaben gleiche oftmals einem Gang mit Handschellen. Bruckschen, Kreitz, Graetz und Schmitz wagen ihn trotzdem. „Und wenn es letztendlich nur vier, fünf Dinge sind, die wir verändern können. Dafür lohnt es sich“, sagt die 19-Jährige Dina Graetz. Doch natürlich haben die Jungpolitiker auch das Gesamtwohl der Stadt im Blick. „Irgendwann, wenn die ältere Generation von Politikern abgetreten ist, sind schließlich wir oder andere in unserem Alter für den Haushalt mitverantworlich“, sagt Carsten Kreitz.
Stichwort Haushalt: Die Stadt Stolberg hat Anfang des Jahres alle Fördergelder für die politischen Nachwuchsorganisationen gestrichen – die Schulden drücken, es geht einfach nicht, heißt es aus dem Rathaus. „Wenn das Geld weg ist, ist das natürlich auch eine Imagesache“, will sich Kreitz in der Jugendarbeit aber nicht entmutigen lassen. „Stolberg hat so viele Vorteile und ist charmanter als Aachen“, kann sich der Liberale einen kleinen Seitenhieb auf die große Nachbarstadt nicht verkneifen.
„Wir wollen das klarstellen“
Ein Projekt wirft bereits seine Schatten voraus: Die Jugendorganisationen veranstalten am Mittwoch, 11. Januar, zwischen 9 und 15 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum (Frankentalstraße 22) einen Infotag zum Thema „Extremismus“. „Bei Stolberg denkt man immer direkt an Rechtsradkiale“, wehrt sich Carsten Kreitz gegen ein einseitiges Bild. „So kann man das nicht stehenlassen. Wir wollen klarstellen, dass das Klischees sind, die nicht zutreffen.“
Linksextreme würden die jährlichen Aufmärsche der Rechten ihrerseits nutzen, um Krawalle zu provozieren, behaupten die Jungpolitiker unisonso. „Und das, verbunden mit der riesigen Polizeipräsenz, beeinträchtigt die Bürger in unserer Stadt“, so Kreitz weiter. Deshalb sollten gerade Jugendliche über solche Gruppierungen aufgeklärt werden, fordert er. Zur Veranstaltung am 11. Januar haben Kreitz und Co. den Aachener Rechtsextremismus-Experten Michael Klarmann als Referenten eingeladen, zum Thema Linksextremismus wird Ministerialrat Dirk Weinspach vom Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen Stellung beziehen. „Für Jugendliche sind extremistische Gruppen und radikale Parteien schwer einzuordnen“, sagt Hans Bruckschen. „Wir wollen darstellen, wie es wirklich ist.“
Das gelte auch für die Arbeit der vier großen Parteien selbst: „Was Politik im Allgemeinen angeht, haben junge Leute häufig falsche Vorstellungen“, sagt Tim C. Schmitz. „Wir machen nicht einfach, was wir wollen, wir nehmen jede Meinung ernst.“
Einen Anfang wagen
Was die Nachwuchspolitiker vorhaben, ist nicht der naive Versuch, im jugendlichen Wahn Stolberg in zwei, drei Schritten zu sanieren. Es geht vielmehr darum, einen Anfang zu wagen und sich nicht kampflos der eher tristen Stimmung der Stadt hinzugeben.
Abwarten, bis der Haushalt in ein paar Jahren (vielleicht) wieder freiweillige Investitionen zulässt, wollen sie nicht. „Es wird Zeit“, sagt Carsten Kreitz, „dass Stolberg wieder positiv auffällt.“ Wann genau das sein soll, das weiß er nicht. „Aber wir müssen ein Zeichen setzen. In dieser Situation erst recht.“
Quelle: STZ vom 12.10.11
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